Im Rahmen der HL7 & DICOM Jahrestagung 2026 veranstaltete HL7 Austria bereits zum fünften Mal einen FHIR Hackathon in Österreich. Das Format hat sich in den vergangenen Jahren als zentraler Baustein für den praxisnahen Zugang zu FHIR etabliert und bot auch heuer wieder eine offene Lern- und Arbeitsumgebung für Einsteiger:innen wie auch erfahrene Entwickler:innen.
Insgesamt nahmen 58 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Hackathon teil, die in fünf parallelen Tracks an unterschiedlichen Anwendungsfällen arbeiteten. Ziel war es, die praktische Umsetzung von FHIR greifbar zu machen und aufzuzeigen, was es konkret benötigt, um interoperable Anwendungen auf Basis dieses Standards zu entwickeln. Der ursprüngliche Leitgedanke von FHIR – das „Fast“ im Namen – wurde dabei konsequent umgesetzt: ein niederschwelliger Einstieg, rasche erste Ergebnisse und intensiver Austausch innerhalb der Community.
Die Bandbreite der Tracks spiegelte die Vielfalt aktueller FHIR-Anwendungsfelder wider. Ein Einsteiger-Track vermittelte die Grundlagen im Umgang mit österreichspezifischen FHIR-Profilen und erleichterte damit den Zugang zur nationalen Implementierung. Im Kontext des Projekts „MOPED“ wurden anhand von FHIR Questionnaires praxisnahe Beispiele für LKF-Jahresmeldungen und Registermeldungen erarbeitet. Weitere Tracks beschäftigten sich unter anderem mit der automatisierten Testung von FHIR-Servern zur Sicherstellung der Konformität mit Implementierungsleitfäden sowie mit FHIR-basierten Metadaten für den gerichteten Nachrichtenaustausch.
Besonders hervorzuheben ist der Track zum elektronischen Eltern-Kind-Pass (eEKP), der mit rund einem Drittel der Teilnehmenden der bestbesuchte Track war. Im Mittelpunkt standen hier interaktive Anwendungen rund um FHIR Questionnaires. Ein vorgestellter Client ermöglichte einen niederschwelligen Einstieg und machte die technische Umsetzung unmittelbar erlebbar. Diese praxisnahe Herangehensweise führte zu intensiven fachlichen Diskussionen und einem regen Austausch zwischen Technik und Fachdomäne.
Ein wesentlicher Meilenstein war zudem die erstmalige Nutzung einer ELGA-Testumgebung in diesem Kontext. Der eingesetzte Questionnaire-Client war bereits angebunden, wodurch reale Interaktionen demonstriert werden konnten. Darüber hinaus hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, eigene Anwendungen an diese Testumgebung anzubinden – begleitet durch umfassende technische und konzeptionelle Unterstützung vor Ort. Dieser Hands-on-Ansatz wurde durchwegs sehr positiv bewertet, insbesondere die Arbeit mit einer realitätsnahen Infrastruktur wurde als besonders wertvoll hervorgehoben.
FHIR schreitet auch auf dem Weg zum normativen Standard zügig voran, wie Reinhard Egelkraut, Leiter der technischen Komitees von HL7 Austria, in seinem Vortrag am Konferenztag belegt hat. Der heurige FHIR Hackathon verdeutlichte eindrucksvoll, dass FHIR längst die Praxisanwendungsreife erreicht hat. Dies zeigt sich nicht nur in den konkreten Ergebnissen und nationalen Umsetzungsprojekten in Österreich, sondern auch im internationalen Kontext. Beiträge im Rahmen dieser und vergangener Jahrestagungen – unter anderem aus Estland, Dänemark und Taiwan – belegten, dass FHIR zunehmend als zentraler Technologiestandard für interoperable Gesundheitsanwendungen etabliert ist. Dementsprechend wird FHIR auch der tragende Standard im Rahmen des EHDS sein.
Insgesamt unterstreicht der FHIR Hackathon die Bedeutung von praxisorientierten Formaten für die Weiterentwicklung der Interoperabilität im Gesundheitswesen. Die Kombination aus Experimentierfreude, konkreter Umsetzung und aktivem Wissensaustausch innerhalb der Community trägt maßgeblich dazu bei, FHIR nachhaltig zu verankern und neue Akteurinnen und Akteure erfolgreich an das Thema heranzuführen.










