HL7 & DICOM Jahrestagung 2026 – Interoperabilität als Schlüssel der digitalen Gesundheitsversorgung

Von 2. bis 5. März 2026 fand in Wien die diesjährige HL7 & DICOM Jahrestagung statt. Die Veranstaltung, organisiert von HL7 Austria und der DICOM Anwendergruppe Österreich, brachte mehr als 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Gesundheitswesen, IT, Industrie und Forschung zusammen. Über 40 nationale und internationale Speaker gestalteten das Programm und diskutierten aktuelle Entwicklungen rund um Interoperabilität, Standards und die digitale Transformation im Gesundheitswesen.

Bereits der Auftakt der Tagung stand ganz im Zeichen der praktischen Umsetzung moderner Standards: Beim FHIR Hackathon arbeiteten Entwickler, Expert und Anwender gemeinsam an konkreten Implementierungsfragen. Insgesamt 58 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen am Hackathon teil, der in fünf parallelen Tracks organisiert war.

Besonders großes Interesse fand der Track zum elektronischen Eltern-Kind-Pass (eEKP). Rund ein Drittel der Teilnehmenden entschied sich für diesen Track – damit war er der bestbesuchte Track des Hackathons. Im Mittelpunkt standen praktische Anwendungen rund um FHIR Questionnaires und deren Einsatz im Kontext des elektronischen Eltern-Kind-Passes.

Ein zentraler Bestandteil des Tracks war die Präsentation eines Clients für FHIR Questionnaires, der einen niederschwelligen Einstieg in das Thema ermöglichte. Die Teilnehmenden konnten Questionnaires interaktiv erkunden und unmittelbar erleben, wie deren technische Umsetzung funktioniert. Diese praktische Herangehensweise bildete die Grundlage für zahlreiche fachliche Diskussionen und einen intensiven Austausch zwischen Entwickler und Fachexperten.

Ein besonderer Höhepunkt war die erstmalige Bereitstellung einer ELGA-Testumgebung in diesem Kontext. Eine vergleichbare Möglichkeit zum Testen stand bislang nicht zur Verfügung. Der demonstrierte Questionnaire-Client war bereits an diese Umgebung angebunden, wodurch reale Interaktionen mit der Infrastruktur nachvollziehbar wurden. Darüber hinaus konnten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre eigenen Anwendungen an die Testumgebung anbinden und dies mit umfassender technischer und konzeptioneller Unterstützung direkt vor Ort umsetzen.

Der Hackathon zeichnete sich dadurch durch einen besonders starken Hands-on-Charakter aus: Statt rein theoretischer Diskussionen konnten die Teilnehmenden reale Erfahrungen mit einer praxisnahen Infrastruktur sammeln. Dieses Format wurde von den Beteiligten sehr positiv bewertet – insbesondere die Möglichkeit, direkt mit einer realitätsnahen ELGA-Umgebung zu arbeiten, wurde als besonders wertvoll hervorgehoben.

Am zweiten Tag folgten fachliche Workhsops zu Standards: FHIR, SNOMED CT und Sicherheitsprofilen im DICOM-Umfeld.

Der anschließende Konferenztag bot ein breites inhaltliches Spektrum. Internationale Beiträge – etwa zur Digitalisierung des Gesundheitswesens in Dänemark oder zu aktuellen Entwicklungen im taiwanischen Gesundheitssystem oder der deutschen Patientenakte – ermöglichten spannende Einblicke in unterschiedliche nationale Strategien und Erfahrungen bei der Umsetzung digitaler Gesundheitsinfrastrukturen. Gleichzeitig standen zentrale Themen der europäischen eHealth-Agenda im Fokus, darunter der European Health Data Space (EHDS), der Ausbau von ELGA-Funktionalitäten wie dem Patient Summary sowie die zunehmende Rolle von FHIR als zentraler Interoperabilitätsstandard.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Zusammenarbeit innerhalb der internationalen Standardisierungs-Community.

Besonders herauszuheben war der diesjährige Student Award – erstmals wurden heuer neben Dissertationen, Master- und Bachelor-Arbeiten auch Diplomarbeiten prämiert. Die fachliche und wissenschaftliche Qualität der Gewinner-Beiträge und ihre Präsentation fand viel Beifall.

Den Abschluss der Jahrestagung bildete am 5. März der eHealth Security Day, der bereits zum zweiten Mal gemeinsam mit Cybersecurity Austria organisiert wurde. Der Veranstaltungstag widmete sich aktuellen Herausforderungen der Cybersicherheit im Gesundheitswesen und beleuchtete sowohl regulatorische als auch technische Aspekte. Themen wie NIS2 und Datenschutz, die Auswirkungen des AI Act, sowie Sicherheitsanforderungen im Kontext des European Health Data Space (EHDS) standen ebenso auf dem Programm wie praxisnahe Beiträge zu aktuellen Cyberbedrohungen und Angriffsszenarien. Ergänzt wurde dies durch Einblicke in konkrete Sicherheitsmaßnahmen – etwa Netzwerksegmentierung im Gesundheitswesen oder Erfahrungen aus realen Cyberangriffen. Der eHealth Security Day verdeutlichte damit eindrucksvoll, dass mit der zunehmenden Digitalisierung des Gesundheitswesens auch IT-Sicherheit und Resilienz kritischer Gesundheitsinfrastrukturen eine immer zentralere Rolle einnehmen.

Neben den fachlichen Inhalten wurde auch das Rahmenprogramm sehr geschätzt. Insbesondere das gemeinsame Abendessen bot eine hervorragende Gelegenheit für persönlichen Austausch, Networking und das Knüpfen neuer Kontakte. Der direkte Dialog zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Gesundheitsorganisationen, Industrie, Forschung und Standardisierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung und trägt maßgeblich zum Erfolg der Jahrestagung bei.